Was ist Bildung?

Ein Artikel aus Deutschland, lässt sich jedoch gut auf Österreich übertragen und passt sehr gut zur Familienschule, weil wir uns stark am Bildungsideal von Humboldt orientieren.

zitiert aus: https://www.freitag.de/autoren/katrin/was-ist-bildung von Katrin Rönicke

„Die politische Debatte um unser Schulsystem beruht auf einem fatalen Missverständnis: Sie setzt Bildung mit Berufsqualifizierung gleich. Das Ziel muss aber Freiheit sein .

Über den Bildungsbegriff hat sich schon Wilhelm von Humboldt vor 200 Jahren den Kopf zerbrochen. Humboldt war in seinem Bildungsideal geradezu staatsskeptisch, als er schrieb: „Je mehr also der Staat mitwirkt, desto ähnlicher ist nicht bloß alles Wirkende, sondern auch alles Gewirkte. (…) Wer aber für andere so räsoniert, den hat man, und nicht mit Unrecht, in Verdacht, dass er die Menschen misskennt und aus Menschen Maschinen machen will.“

Dieses Zitat sollte man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Denn in der Tat finden wir in der heutigen medialen Debatte, in den Plenardebatten des Bundestags, in den „Bildungs“-Wunschlisten der Wirtschaft und der Unternehmen, bis hin zu Eltern und Lehrpersonal ein Denken, das Bildung und Qualifizierung in einem erschütterndem Maße verwechselt. Zentral für Humboldt’s Bildungsideal, an das ich das meine anlehnen möchte, ist aber: Freiheit. Eine Entfaltung des Menschen in einer freien Wechselwirkung mit seiner Welt.

Diese Freiheit fehlt dem (deutschen) Bildungssystem, namentlich den Schulen und ihrer am Frontalunterricht orientierten Didaktik. Stattdessen findet sich in den meisten Köpfen eine wirtschaftsorientierte Doktrin der Verwertbarkeit der vermeintlich „gebildeten“ Menschen. Qualifizierung für eine spätere Berufs- oder Erwerbstätigkeit, das Erstarken der Wirtschaft, die Wettbewerbsfähigkeit der Nation im internationalen Vergleich – das alles sind, kurz zusammengefasst, die wichtigsten Triebfedern der heutigen Bildungspolitik und des Schulsystems.

Gebildet sein im Humboldt‘schen Sinne aber ist in erster Linie: Menschsein. Weisheit und Tugend – vor allem aber auch: Kritikfähigkeit. All das sind Ergebnisse eines Bildungsideals, das über bloße funktionale Qualifizierung hinaus ginge. Gerade wirtschaftliche Zwänge waren seit jeher dessen ärgste Feinde, denn sie suggerierten: Man könne dieses Ideal nur einer aristokratisch-privilegierten Elite zukommen lassen, alles andere sei nicht realistisch. Heute stellt sich die Situation anders dar: Die Bildungspolitik Deutschlands verspricht Bildung und Chancengleichheit für alle. Dies ist aber keine Bildung, sondern verwertbarkeitsorientierte Maschinisierung eines großen Teils der Heranwachsenden…“

 

 

 

 

 

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